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... sind aus Wald nicht mehr wegzudenken

Am 31. Dezember ziehen sie wieder durch die Walder Gassen. In schwarzen Wämsen – wie die Vorgänger heutiger Westen heissen – und bunt verzierten Umhängen, auf dem Kopf einen goldenen Lichthut, um die Hüften ein schwerer Glockenkranz. Begleitet von weissen Gestalten mit pelzigem Eselkopf, marschieren sie von Haustür zu Haustür: Die sieben Silvesterchläuse und ihre Gefährten, die Schnappesel, läuten in Wald traditionsgemäss das neue Jahr ein. Viele Walder werden ungeduldig das Klingeln an ihrer Tür erwarten. Hunderte werden am Abend an die Bahnhofstrasse und zum Schlipfplatz pilgern, um dem Umzug der tanzenden Chläuse und Esel beizuwohnen.

Leichter Nervenkitzel
«Gäbe es die Silvesterchläuse nicht mehr, die Leute würden sie vermissen. Sie gehören zum Walder Silvester», sagt Robert Brändli. Bei ihm gesellt sich zur Vorfreude auf den 31. Dezember jeweils ein leichter Nervenkitzel – schlüpft er doch seit 20 Jahren selbst in das Kostüm eines Silvesterchlauses oder Schnappesels. Während Ersterer das Gute verkörpert, soll der Esel mit seiner schnappenden Bewegung das Böse vertreiben, erklärt Brändli den Brauch. Dieses Jahr kommt dem Gibswiler eine besondere Ehre zu. Er zieht als Oberchlaus durch die Strassen. Auf seinem Kopf thronen heuer statt einer Kerze deren drei; auf seinen Schultern liegt das geschichtsträchtige Waldermänteli.
Was er heute mit grosser Leidenschaft tut, hatte einen denkbar schlechten Start. «Bei meinem ersten Einsatz als Silvesterchlaus hat es in Strömen geregnet», erzählt er. «Das ist das erste und das letzte Mal», habe er gedacht. Bei dem einen Mal blieb es dann aber ganz offensichtlich nicht. So wird der Dachdecker auch diesen Silvestermorgen in aller Herrgottsfrühe aufstehen und erst einmal ausgiebig frühstücken. Schliesslich bringt der Glockenkranz, den Brändli einen ganzen Tag lang mit sich umherträgt, 40 Kilo auf die Wage. Und da ist ein weiterer Grund, wie der passionierte Jodler mit einem Schmunzeln anfügt: «Nicht selten offerieren uns die Leute einen kleinen Schnaps. Da ist es gut, wenn man einen Boden hat.»

Esel hält Kinder auf Trab
Kurz vor sieben Uhr ziehen Robert Brändli und sein Begleiter, der Schnappesel, los. Ihre Route führt die beiden von den Weilern Mettlen und Güntisberg über Laupen in Richtung Walder Dorfzentrum. Vor jeder Haustür führen sie ihren Glockentanz auf und überbringen gute Wünsche für das neue Jahr. Um 18.30 Uhr bestreiten die sieben Paare schliesslich gemeinsam den Umzug durch die Bahnhofstrasse auf den Schlipfplatz. Damit ist die Arbeit der Chläuse und Schnappesel aber noch nicht getan. Am 1. Januar tanzen und läuten sie auch in den Altersheimen und im Pflegezentrum das neue Jahr ein.
Ältere und jüngere Walder freuen sich gleichermassen über den Besuch von Silvesterchlaus und Schnappesel, weiss Brändli. Es sei schon vorgekommen, dass er mit den Worten «Letztes Jahr wart ihr aber eine halbe Stunde früher», empfangen wurde. Der Schnapp-esel halte die Kinder auf Trab, fügt er an. Er erinnert sich gut an ein Erlebnis vor rund zehn Jahren. Da sei ein Junge eine Leiter hochgeklettert, habe ein Sackmesser gezückt und den Schnapp-esel getriezt. «Als der Esel dann aber einen Schritt auf ihn zuging, ist der Junge so erschrocken, dass er rückwärts die Leiter heruntergepurzelt ist.» Robert Brändli wird sich auch zukünftig das Gewand des Chlauses oder Schnappesels überstreifen. «Das angestrebte Ziel jedes Chlauses sind 25 Jahre», sagt er. Zu diesem Jubiläum werde man mit einer bunten Wappenscheibe geehrt.
Seine Wappenscheibe schon lange verdient hat sich Max Züger. Während 28 Jahren überbrachte er als Silvesterchlaus gute Wünsche für das neue Jahr, seit 15 Jahren ist er Chlaus-Obmann. «Das Läuten und Eseln ist eine uralte Tradition in Wald», erklärt Züger. Ihr genaues Alter wisse niemand. «Man nimmt an, dass der Silvesterchlaus seinen Ursprung im Brauch der Bescherung hat.» Da brachte der Chlaus den guten Menschen an Silvester Nüsse, während seine Begleiterin, die Mehlhexe, die Bösen mit Mehl einstäubte.

Von Jennifer Steiner, Tages Anzeiger 30.12.2009

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